Stichprobengrößenberechnung mit G*Power

Warum muss die Stichprobengröße geplant werden?

Eine der ersten Fragen bei der Planung eines Forschungsprojekts lautet:

Wie viele Personen müssen an meiner Untersuchung teilnehmen?

Wer zum ersten Mal ein Forschungsprojekt durchführt, kann diese Frage kaum aus eigener Erfahrung beantworten. Man könnte zwar einfach beschließen, beispielsweise 30, 50 oder 100 Personen zu untersuchen. Ohne eine weitere Begründung weiß man jedoch nicht, ob diese Zahl ausreicht, um die Forschungsfrage sinnvoll zu beantworten.

Eine zu kleine Stichprobe kann dazu führen, dass ein tatsächlich vorhandener Effekt nicht erkannt wird.

Eine sehr große Stichprobe liefert in der Regel genauere Ergebnisse, benötigt aber mehr Zeit, Geld und Teilnehmende. Außerdem ist es wissenschaftlich und ethisch nicht sinnvoll, mehr Personen als notwendig zu untersuchen.

Die Stichprobengrößenberechnung soll deshalb einen sinnvollen Mittelweg finden:

Die Stichprobe soll groß genug sein, um einen für die Forschungsfrage relevanten Effekt mit ausreichender Wahrscheinlichkeit erkennen zu können.

Die Stichprobengröße sollte möglichst vor Beginn der Datenerhebung bestimmt werden. Eine solche Berechnung nennt man eine A-priori-Poweranalyse.

Eine intuitive Vorstellung

Angenommen, wir möchten untersuchen, ob Arbeitsbelastung mit dem Stresserleben von Studierenden zusammenhängt.

Es sind unterschiedliche Situationen denkbar:

  • Der Zusammenhang ist sehr stark.
  • Der Zusammenhang ist mittelstark.
  • Der Zusammenhang ist nur schwach.

Ein sehr starker Zusammenhang ist normalerweise leichter zu erkennen. Dafür kann bereits eine kleinere Stichprobe ausreichen.

Ein schwacher Zusammenhang ist schwieriger von zufälligen Schwankungen in den Daten zu unterscheiden. Um einen solchen Zusammenhang zuverlässig erkennen zu können, werden normalerweise mehr Personen benötigt.

Daher gilt als grundlegende Regel:

Je kleiner der Effekt ist, den wir erkennen möchten, desto größer muss normalerweise die Stichprobe sein.

Was ist statistische Power?

Die statistische Power wird auch als Teststärke bezeichnet.

Sie beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Untersuchung einen tatsächlich vorhandenen Effekt erkennt.

In G*Power wird sie folgendermaßen bezeichnet:

Power (1 - beta err prob)

Häufig wird eine Power von .80 verwendet.

Das bedeutet vereinfacht:

Wenn der angenommene Effekt in der Population tatsächlich vorhanden ist, soll die Untersuchung eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent haben, diesen Effekt statistisch zu erkennen.

Eine Power von .80 bedeutet nicht, dass die Hypothese mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent richtig ist.

Die Aussage bezieht sich nur auf folgende Situation:

  1. Der angenommene Effekt ist tatsächlich vorhanden.
  2. Die geplante Untersuchung wird durchgeführt.
  3. Der statistische Test soll diesen Effekt mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent erkennen.

Eine höhere gewünschte Power führt normalerweise zu einer größeren benötigten Stichprobe.

Beispielsweise benötigt eine Untersuchung mit einer gewünschten Power von .90 normalerweise mehr Personen als eine Untersuchung mit einer gewünschten Power von .80.

Welche Angaben werden für die Berechnung benötigt?

Für eine A-priori-Poweranalyse werden normalerweise folgende Informationen benötigt:

  1. der geplante statistische Test,
  2. die erwartete oder relevante Effektgröße,
  3. das Signifikanzniveau,
  4. die gewünschte Power,
  5. weitere Angaben zum Untersuchungsdesign oder zum statistischen Modell.

Aus diesen Angaben berechnet G*Power die erforderliche Stichprobengröße.

Der geplante statistische Test

Die benötigte Stichprobengröße hängt davon ab, wie die Forschungsfrage später statistisch untersucht werden soll.

Mögliche Fragestellungen sind beispielsweise:

  • Unterscheiden sich zwei Gruppen?
  • Unterscheiden sich mehrere Gruppen?
  • Wirken zwei Faktoren zusammen?
  • Sagen mehrere Variablen eine Zielvariable vorher?
  • Erklärt ein zusätzlicher Prädiktor weitere Unterschiede?
  • Verändern sich dieselben Personen über mehrere Messzeitpunkte?
  • Unterscheiden sich Gruppen in ihrer Veränderung über die Zeit?

Deshalb muss vor der Stichprobengrößenberechnung festgelegt werden, welcher statistische Test später verwendet werden soll.

Die Poweranalyse muss zu der Analyse passen, mit der die Forschungsfrage später tatsächlich untersucht wird.

Wird die Stichprobe beispielsweise für einen einfachen Gruppenunterschied geplant, die eigentliche Hypothese später aber mit einer Interaktion untersucht, passt die Stichprobengrößenberechnung nicht zur Forschungsfrage.

Was ist eine Effektgröße?

Eine Effektgröße beschreibt die Stärke eines Unterschieds oder Zusammenhangs.

Sie beantwortet beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie stark unterscheiden sich zwei Gruppen?
  • Wie stark hängen Arbeitsbelastung und Stress zusammen?
  • Wie viel Varianz erklärt ein Regressionsmodell?
  • Wie viel zusätzliche Varianz erklärt ein neuer Prädiktor?
  • Wie stark ist eine Interaktion zwischen zwei Einflussgrößen?

Eine Effektgröße beschreibt somit nicht nur, ob ein Effekt vorhanden ist, sondern wie groß dieser Effekt ist.

Je nach statistischem Test werden unterschiedliche Effektgrößen verwendet.

Beispiele sind:

  • d für bestimmte Mittelwertunterschiede,
  • r für Korrelationen,
  • f für Varianzanalysen,
  • f^2 für multiple Regressionen,
  • R^2 für den erklärten Varianzanteil eines Regressionsmodells.

Die Effektgröße muss zu dem statistischen Test passen, der in G*Power ausgewählt wurde.

Ein Wert darf deshalb nicht einfach aus einer Studie übernommen und in ein beliebiges Effektgrößenfeld eingetragen werden.

Beispielsweise ist:

r = .30

nicht dasselbe wie:

f^2 = .30

Die Effektgröße muss entweder bereits in der benötigten Form berichtet oder korrekt umgerechnet werden.

Woher bekommt man die erwartete Effektgröße?

Die Bestimmung der erwarteten Effektgröße ist häufig der schwierigste Teil der Stichprobengrößenberechnung.

Die eigene Untersuchung wurde noch nicht durchgeführt. Deshalb ist auch noch nicht bekannt, wie groß der Effekt in den eigenen Daten sein wird.

Man benötigt daher eine begründete Annahme.

Möglichkeit 1: Eine theoretisch oder praktisch relevante Effektgröße

Man kann sich zunächst fragen:

Was ist der kleinste Effekt, der für unsere Forschungsfrage noch wissenschaftlich oder praktisch bedeutsam wäre?

Ein Effekt kann statistisch nachweisbar sein und trotzdem so klein sein, dass er inhaltlich kaum eine Bedeutung besitzt.

Die Untersuchung kann deshalb so geplant werden, dass sie ausreichend groß ist, um mindestens den kleinsten noch relevanten Effekt erkennen zu können.

Diese Vorgehensweise ist besonders sinnvoll, wenn sich aus der Theorie oder aus praktischen Anforderungen begründen lässt, ab welcher Effektstärke ein Ergebnis interessant wäre.

Möglichkeit 2: Metaanalysen

Eine Metaanalyse fasst die Ergebnisse mehrerer früherer Untersuchungen zusammen.

Sie kann deshalb eine gute Grundlage für die Abschätzung einer plausiblen Effektgröße darstellen.

Dabei muss jedoch geprüft werden, ob die Metaanalyse zur eigenen Untersuchung passt.

Wichtige Fragen sind:

  • Wurde eine vergleichbare Forschungsfrage untersucht?
  • Wurde eine vergleichbare Population untersucht?
  • Wurden ähnliche Variablen verwendet?
  • Wurden ähnliche Messmethoden verwendet?
  • Wurde ein vergleichbares Untersuchungsdesign verwendet?
  • Wurde eine vergleichbare statistische Analyse durchgeführt?
  • Schwanken die Effekte zwischen den eingeschlossenen Studien stark?

Ein metaanalytischer Durchschnittswert sollte nicht automatisch übernommen werden. Es muss begründet werden, warum dieser Wert auf die eigene Untersuchung übertragbar ist.

Möglichkeit 3: Vergleichbare Einzelstudien

Wenn keine passende Metaanalyse vorhanden ist, können möglichst ähnliche Einzelstudien verwendet werden.

Dabei sollte insbesondere auf folgende Vergleichbarkeit geachtet werden:

  • vergleichbare Population,
  • vergleichbare Messmethoden,
  • vergleichbare Operationalisierung,
  • vergleichbares Untersuchungsdesign,
  • vergleichbare Zielvariable,
  • vergleichbares statistisches Modell.

Das heißt, die Effektgröße sollte nicht einfach aus irgendeiner Studie übernommen werden, in der ähnliche Begriffe vorkommen.

Außerdem sollte nicht automatisch die Studie mit dem größten gefundenen Effekt ausgewählt werden. Sehr große Effekte können durch kleine Stichproben, zufällige Schwankungen oder Besonderheiten der Untersuchung überschätzt worden sein.

Ein vorsichtiger Ansatz besteht darin, sich an einem kleineren, aber noch plausiblen Effekt zu orientieren.

Möglichkeit 4: Allgemeine Richtwerte

Für viele Effektgrößen gibt es allgemeine Richtwerte für kleine, mittlere und große Effekte.

Diese Richtwerte können verwendet werden, wenn keine besseren Informationen vorhanden sind.

Sie sind jedoch nur eine Ersatzlösung.

Ein als mittel bezeichneter Effekt ist nicht automatisch der wahrscheinlichste Effekt für die eigene Forschungsfrage.

Die Bedeutung und typische Größe eines Effekts hängen vom Forschungsgebiet, von der Population, von der Operationalisierung und vom Untersuchungsdesign ab.

Deshalb muss begründet werden, warum ein bestimmter Richtwert verwendet wird.

Welche Rolle spielt die Messmethode?

Die verwendete Messmethode kann die beobachtete Effektgröße beeinflussen.

Ein zuverlässiger und genauer Test kann vorhandene Unterschiede oder Zusammenhänge normalerweise besser abbilden als eine sehr ungenaue Messung.

Eine unzuverlässige Messung kann dazu führen, dass:

  • beobachtete Zusammenhänge schwächer ausfallen,
  • Ergebnisse stärker schwanken,
  • vorhandene Effekte schwerer zu erkennen sind,
  • eine größere Stichprobe benötigt wird.

Deshalb sollte bei der Suche nach früheren Effektgrößen möglichst darauf geachtet werden, dass vergleichbare Messmethoden verwendet wurden.

Die Effektgröße ist jedoch nicht ausschließlich eine feste Eigenschaft des Messinstruments.

Sie hängt unter anderem auch davon ab:

  • welche Population untersucht wird,
  • wie stark sich die untersuchten Personen unterscheiden,
  • welche Bedingungen verglichen werden,
  • welche Zielvariable betrachtet wird,
  • wie die Untersuchung durchgeführt wird,
  • welcher Zusammenhang oder Unterschied untersucht wird.

Ein zuverlässiges Messinstrument liefert nicht in jeder Population und bei jeder Forschungsfrage dieselbe Effektgröße.

Es ist deshalb am genauesten, von der Effektgröße eines bestimmten Zusammenhangs oder Unterschieds zu sprechen, der mit einer bestimmten Messmethode in einer bestimmten Population untersucht wurde.

Für die Stichprobenplanung gilt:

Frühere Studien sind besonders hilfreich, wenn Forschungsfrage, Population, Design und Messmethoden möglichst gut mit der geplanten Untersuchung übereinstimmen.

Was bedeutet ein konservativer Ansatz?

Ein konservativer Ansatz bedeutet, dass die Untersuchung nicht mit einer zu optimistischen Annahme geplant wird.

Angenommen, frühere Untersuchungen berichten unterschiedlich große Effekte.

Eine sehr optimistische Planung würde den größten berichteten Effekt verwenden. Dadurch würde G*Power wahrscheinlich eine relativ kleine Stichprobe berechnen.

Das Risiko besteht dann darin, dass der tatsächliche Effekt kleiner ist und die Stichprobe nicht ausreicht.

Ein vorsichtigerer Ansatz verwendet einen kleineren, aber weiterhin plausiblen und inhaltlich relevanten Effekt.

Dadurch wird eine größere Stichprobe berechnet.

Je kleiner die angenommene Effektgröße ist, desto größer ist normalerweise die benötigte Stichprobe.

Was ist bei mehreren Messmethoden oder Hypothesen zu tun?

Eine Untersuchung kann mehrere zentrale Hypothesen enthalten.

Beispielsweise könnten untersucht werden:

  1. der Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung und Stress,
  2. der Zusammenhang zwischen sozialer Unterstützung und Stress,
  3. die Interaktion zwischen Arbeitsbelastung und sozialer Unterstützung.

Für diese Hypothesen können unterschiedlich große Effekte erwartet werden. Auch die verwendeten Messmethoden können unterschiedlich empfindlich oder zuverlässig sein.

In einem solchen Fall sollte der Stichprobenbedarf für jede zentrale Analyse geprüft werden.

Anschließend wird betrachtet, welche Analyse die größte Stichprobe benötigt.

Die größte benötigte Stichprobe bestimmt die Mindestgröße der gesamten Untersuchung.

Dies ist genauer als die pauschale Regel, sich immer an der schlechtesten Messmethode zu orientieren.

Die am wenigsten empfindliche oder am wenigsten zuverlässige Messmethode kann allerdings dazu führen, dass für die zugehörige Hypothese ein kleinerer beobachtbarer Effekt angenommen werden muss. Dadurch kann diese Analyse tatsächlich die größte Stichprobe erfordern.

Das prinzipielle Vorgehen lautet daher:

  1. Zentrale Hypothesen festlegen.
  2. Den statistischen Test für jede Hypothese bestimmen.
  3. Für jede Hypothese eine plausible oder relevante Effektgröße festlegen.
  4. Für jede zentrale Hypothese den Stichprobenbedarf berechnen.
  5. Die größte berechnete Stichprobe als Mindeststichprobe verwenden.

Warum müssen Effektgrößen berichtet werden?

Effektgrößen helfen nicht nur bei der Interpretation der eigenen Untersuchung.

Sie ermöglichen auch anderen Forschenden, zukünftige Untersuchungen besser zu planen.

Ein p-Wert zeigt nicht direkt, wie stark ein Unterschied oder Zusammenhang ist.

Deshalb sollten wissenschaftliche Ergebnisse möglichst folgende Informationen enthalten:

  • die geschätzte Effektgröße,
  • die genaue Bezeichnung der Effektgröße,
  • möglichst ein Konfidenzintervall,
  • den verwendeten statistischen Test,
  • die genaue Beschreibung der analysierten Variablen und Bedingungen.

Dadurch können spätere Forschende besser einschätzen, welche Effektgröße bei einer vergleichbaren Untersuchung plausibel sein könnte.

Das Berichten von Effektgrößen ist deshalb eine wichtige Grundlage für die Stichprobenplanung zukünftiger Studien.

Stichprobengrößenberechnung mit G*Power

Was sollte vor dem Öffnen von G*Power geklärt werden?

Vor der Berechnung sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Was ist die zentrale Forschungsfrage?
  2. Welche Hypothese soll geprüft werden?
  3. Welche Zielvariable wird untersucht?
  4. Welche Einflussvariablen, Faktoren oder Prädiktoren werden berücksichtigt?
  5. Welcher statistische Test wird später verwendet?
  6. Welche Effektgröße benötigt dieser Test?
  7. Welche Effektgröße ist plausibel oder inhaltlich relevant?
  8. Welches Signifikanzniveau soll verwendet werden?
  9. Welche Power soll erreicht werden?
  10. Welche zusätzlichen Angaben zum Modell oder Design werden benötigt?

G*Power kann nur dann eine sinnvolle Stichprobengröße berechnen, wenn die eingegebenen Annahmen zur geplanten Untersuchung passen.

Grundlegende Einstellungen in G*Power

Type of power analysis

Wenn die benötigte Stichprobengröße vor Beginn der Datenerhebung berechnet werden soll, wird ausgewählt:

A priori: Compute required sample size - given alpha, power, and effect size

Das bedeutet:

  • Die Effektgröße wird vorgegeben.
  • Das Signifikanzniveau wird vorgegeben.
  • Die gewünschte Power wird vorgegeben.
  • G*Power berechnet die benötigte Stichprobengröße.

Test family

Unter Test family wird die Familie des geplanten statistischen Tests ausgewählt.

Bei den in diesem Kapitel behandelten multiplen Regressionsmodellen und Varianzanalysen wird normalerweise ausgewählt:

F tests

Dies gilt insbesondere, wenn geprüft wird:

  • ob ein Regressionsmodell insgesamt Varianz erklärt,
  • ob ein Prädiktorenblock zusätzliche Varianz erklärt,
  • ob sich mehrere Gruppen unterscheiden,
  • ob ein Haupteffekt vorliegt,
  • ob eine Interaktion vorliegt.

Die Auswahl von F tests ergibt sich nicht allein daraus, dass mehrere Variablen erhoben wurden.

Sie ergibt sich daraus, dass die geplante Forschungsfrage mit einem Regressions- oder Varianzanalysemodell und einem entsprechenden F-Test untersucht wird.

In diesem Kapitel wird davon ausgegangen, dass mehrere Variablen gemeinsam in einem statistischen Modell berücksichtigt werden.

Statistical test

Unter Statistical test wird der genaue statistische Test ausgewählt.

Die richtige Auswahl hängt von der Forschungsfrage und vom geplanten Modell ab.

Bei einer Regression muss insbesondere unterschieden werden zwischen:

  • Prüfung des gesamten Regressionsmodells,
  • Prüfung des zusätzlichen Beitrags einzelner Prädiktoren oder Prädiktorenblöcke.

Regression: Prüfung des gesamten Modells

Soll geprüft werden, ob alle Prädiktoren gemeinsam Unterschiede in der Zielvariable erklären, wird normalerweise ausgewählt:

Linear multiple regression: Fixed model, R^2 deviation from zero

Die Forschungsfrage lautet dann beispielsweise:

Erklären Arbeitsbelastung, soziale Unterstützung und Alter gemeinsam Unterschiede im Stresserleben?

Das Modell kann vereinfacht so dargestellt werden:

Stress = Arbeitsbelastung + soziale Unterstützung + Alter

Der Test vergleicht das vollständige Modell mit einem Modell, das keine dieser Prädiktoren enthält.

Vereinfacht wird geprüft:

H0: R^2 = 0

gegen:

H1: R^2 > 0

Die Frage lautet:

Erklärt das gesamte Regressionsmodell überhaupt Varianz in der Zielvariable?

In G*Power muss dafür die Gesamtzahl der Prädiktoren angegeben werden:

Number of predictors

Im Beispiel enthält das Modell drei Prädiktoren:

  1. Arbeitsbelastung,
  2. soziale Unterstützung,
  3. Alter.

Daher wird eingetragen:

Number of predictors = 3

Regression: Prüfung eines zusätzlichen Erklärungsbeitrags

Häufig interessiert nicht nur, ob das gesamte Modell Varianz erklärt.

Stattdessen soll geprüft werden, ob ein bestimmter Prädiktor oder ein bestimmter Prädiktorenblock über andere bereits berücksichtigte Prädiktoren hinaus zusätzliche Varianz erklärt.

Dann wird ausgewählt:

Linear multiple regression: Fixed model, R^2 increase

Eine mögliche Forschungsfrage lautet:

Erklärt die Arbeitsbelastung zusätzliche Unterschiede im Stress, wenn Alter und soziale Unterstützung bereits berücksichtigt werden?

Das reduzierte Modell lautet:

Stress = soziale Unterstützung + Alter

Das vollständige Modell lautet:

Stress = soziale Unterstützung + Alter + Arbeitsbelastung

Geprüft wird, ob sich der erklärte Varianzanteil durch die Aufnahme der Arbeitsbelastung erhöht.

Vereinfacht lautet die Frage:

Ist R^2_full größer als R^2_reduced?

Die Effektgröße für diesen zusätzlichen Beitrag kann folgendermaßen dargestellt werden:

f^2 = (R^2_full - R^2_reduced) / (1 - R^2_full)

Bei dieser Analyse benötigt G*Power zwei Angaben:

Number of tested predictors

und:

Total number of predictors

Was bedeutet Total number of predictors?

Total number of predictors ist die Gesamtzahl aller Prädiktoren im vollständigen Regressionsmodell.

Beispiel:

Stress = Arbeitsbelastung + soziale Unterstützung + Alter

Das vollständige Modell enthält drei Prädiktoren:

  1. Arbeitsbelastung,
  2. soziale Unterstützung,
  3. Alter.

Daher gilt:

Total number of predictors = 3

Dabei spielt es keine Rolle, ob alle drei Prädiktoren später statistisch signifikant werden.

Sie zählen, weil sie Bestandteil des vollständigen statistischen Modells sind.

Was bedeutet Number of tested predictors?

Number of tested predictors gibt an, wie viele Prädiktoren mit dem konkreten Modellvergleich geprüft werden.

Das Wort tested bedeutet hier:

Diese Prädiktoren stehen im Mittelpunkt des konkreten statistischen Tests.

Es bedeutet nicht:

  • dass die Variablen empirisch erhoben wurden,
  • dass ein Fragebogen auf seine Qualität getestet wurde,
  • dass die Reliabilität der Variablen geprüft wurde,
  • dass alle in der Untersuchung erhobenen Variablen gemeint sind.

Es geht darum, welche Prädiktoren beim Vergleich des reduzierten mit dem vollständigen Modell neu hinzukommen.

Einfaches Beispiel

Wir untersuchen folgende Frage:

Erklärt Arbeitsbelastung zusätzliche Unterschiede im Stress, wenn Alter und soziale Unterstützung bereits berücksichtigt werden?

Das reduzierte Modell enthält:

Stress = Alter + soziale Unterstützung

Das vollständige Modell enthält:

Stress = Alter + soziale Unterstützung + Arbeitsbelastung

Im vollständigen Modell befinden sich drei Prädiktoren.

Daher gilt:

Total number of predictors = 3

Beim Modellvergleich kommt nur die Arbeitsbelastung neu hinzu.

Daher gilt:

Number of tested predictors = 1

Die Einstellungen in G*Power lauten:

  • Test family: F tests
  • Statistical test: Linear multiple regression: Fixed model, R^2 increase
  • Type of power analysis: A priori
  • Number of tested predictors: 1
  • Total number of predictors: 3

Beispiel: Prüfung einer Interaktion

Angenommen, wir vermuten:

Arbeitsbelastung hängt besonders dann stark mit Stress zusammen, wenn eine Person wenig soziale Unterstützung erhält.

Wir interessieren uns dafür, ob Arbeitsbelastung und soziale Unterstützung zusammenwirken.

Ein solches Zusammenwirken bezeichnet man als Interaktion.

Das Regressionsmodell lautet:

Stress = Arbeitsbelastung + soziale Unterstützung + Arbeitsbelastung x soziale Unterstützung

Das Modell enthält drei Prädiktoren:

  1. Arbeitsbelastung,
  2. soziale Unterstützung,
  3. die Interaktion zwischen Arbeitsbelastung und sozialer Unterstützung.

Daher gilt:

Total number of predictors = 3

Unsere zentrale Hypothese bezieht sich nur auf die Interaktion.

Das reduzierte Modell lautet:

Stress = Arbeitsbelastung + soziale Unterstützung

Das vollständige Modell lautet:

Stress = Arbeitsbelastung + soziale Unterstützung + Arbeitsbelastung x soziale Unterstützung

Beim Vergleich der beiden Modelle kommt nur ein Prädiktor neu hinzu: die Interaktion.

Daher gilt:

Number of tested predictors = 1

Die Einstellungen in G*Power lauten:

  • Test family: F tests
  • Statistical test: Linear multiple regression: Fixed model, R^2 increase
  • Type of power analysis: A priori
  • Number of tested predictors: 1
  • Total number of predictors: 3

Mehrere gemeinsam getestete Prädiktoren

Es können auch mehrere Prädiktoren gemeinsam getestet werden.

Angenommen, Alter und soziale Unterstützung werden zunächst als Kontrollvariablen berücksichtigt.

Anschließend sollen drei Persönlichkeitsmerkmale gemeinsam in das Modell aufgenommen werden.

Das reduzierte Modell lautet:

Stress = Alter + soziale Unterstützung

Das vollständige Modell lautet:

Stress = Alter + soziale Unterstützung + Neurotizismus + Extraversion + Gewissenhaftigkeit

Das vollständige Modell enthält fünf Prädiktoren.

Daher gilt:

Total number of predictors = 5

Beim Modellvergleich werden drei Prädiktoren neu aufgenommen:

  1. Neurotizismus,
  2. Extraversion,
  3. Gewissenhaftigkeit.

Daher gilt:

Number of tested predictors = 3

Geprüft wird der gemeinsame zusätzliche Erklärungsbeitrag dieser drei Persönlichkeitsmerkmale.

Nicht jede erhobene Variable ist ein Prädiktor

In einer Untersuchung können viele Variablen erhoben werden.

Nicht alle erhobenen Variablen müssen jedoch in jeder statistischen Analyse verwendet werden.

Als Prädiktoren zählen nur die Variablen und Modellbestandteile, die tatsächlich in das konkrete Regressionsmodell aufgenommen werden.

Nicht mitgezählt werden:

  • die Zielvariable,
  • Variablen, die in der betreffenden Analyse nicht verwendet werden,
  • die Konstante beziehungsweise der Achsenabschnitt des Modells.

Die Anzahl der Prädiktoren ist deshalb nicht automatisch mit der Anzahl aller Variablen im Datensatz identisch.

Faktoren und Prädiktoren

Bei einer Varianzanalyse spricht man häufig von Faktoren.

Bei einer Regression spricht man von Prädiktoren.

Beide haben eine ähnliche Aufgabe:

Sie sollen Unterschiede in einer Zielvariable erklären.

Die Begriffe sind jedoch nicht vollständig gleichbedeutend.

Ein Faktor in einer klassischen Varianzanalyse ist normalerweise eine kategoriale Variable.

Beispiele sind:

  • Lernmethode mit drei Gruppen,
  • Geschlecht mit mehreren Kategorien,
  • Versuchsbedingung mit Kontroll- und Experimentalgruppe.

Ein Prädiktor in einer Regression kann dagegen sein:

  • eine kontinuierliche Variable,
  • eine kategoriale Variable,
  • eine Kontrollvariable,
  • eine Interaktion,
  • ein quadrierter Modellterm,
  • eine transformierte Variable.

Deshalb sollte man nicht einfach sagen:

Alle erhobenen Variablen heißen bei der ANOVA Faktoren und bei der Regression Prädiktoren.

Genauer ist:

Faktoren und Prädiktoren sind Bestandteile eines statistischen Modells, mit denen Unterschiede in der Zielvariable erklärt werden sollen.

Nicht immer entspricht eine Variable genau einem Prädiktor

In einfachen Fällen gilt häufig:

Eine Variable = ein Prädiktor

Es gibt jedoch wichtige Ausnahmen.

Interaktionen

Das Modell:

Stress = Arbeitsbelastung + soziale Unterstützung + Arbeitsbelastung x soziale Unterstützung

enthält drei Prädiktoren:

  1. Arbeitsbelastung,
  2. soziale Unterstützung,
  3. die Interaktion.

Obwohl die Interaktion aus zwei erhobenen Variablen gebildet wird, ist sie ein eigener Modellbestandteil.

Quadratische Zusammenhänge

Angenommen, wir vermuten, dass ein mittleres Maß an Arbeitsbelastung günstig ist, während sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Arbeitsbelastung ungünstig sind.

Dann kann ein quadratischer Term verwendet werden:

Stress = Arbeitsbelastung + Arbeitsbelastung^2

Dieses Modell enthält zwei Prädiktoren:

  1. Arbeitsbelastung,
  2. Arbeitsbelastung zum Quadrat.

Beide Prädiktoren entstehen aus derselben ursprünglich erhobenen Variable.

Für das statistische Modell werden trotzdem zwei Modellparameter benötigt.

Kategoriale Variablen

Eine kategoriale Variable mit mehreren Gruppen wird in einer Regression normalerweise durch mehrere Vergleichsvariablen dargestellt.

Eine Variable mit vier Gruppen benötigt bei einer üblichen Kodierung drei Vergleichsvariablen.

Eine einzige inhaltliche Variable kann deshalb im Regressionsmodell drei Prädiktorparameter erzeugen.

Für die Eintragung in G*Power muss deshalb die Zahl der tatsächlich im Modell geschätzten Prädiktorparameter berücksichtigt werden.

Die Konstante wird nicht mitgezählt.

Type I und Type III Sums of Squares

Die Begriffe Type I und Type III Sums of Squares beschreiben unterschiedliche Arten, Effekte innerhalb eines statistischen Modells zu prüfen.

Sie bestimmen jedoch nicht unmittelbar, ob in G*Power automatisch R^2 deviation from zero oder R^2 increase ausgewählt wird.

Entscheidend ist immer die konkrete Forschungsfrage.

Type I Sums of Squares

Type I Sums of Squares werden auch als sequenzielle Quadratsummen bezeichnet.

Die Prädiktoren werden in einer bestimmten Reihenfolge in das Modell aufgenommen.

Jeder Prädiktor oder Block wird danach beurteilt, wie viel zusätzliche Varianz er über die bereits zuvor aufgenommenen Prädiktoren hinaus erklärt.

Beispiel:

  1. Zuerst wird Alter aufgenommen.
  2. Danach wird soziale Unterstützung aufgenommen.
  3. Danach wird Arbeitsbelastung aufgenommen.
  4. Danach wird die Interaktion aufgenommen.

Für die Arbeitsbelastung lautet die sequenzielle Frage:

Wie viel zusätzliche Varianz erklärt die Arbeitsbelastung, nachdem Alter und soziale Unterstützung bereits berücksichtigt wurden?

Das ist ein Test eines zusätzlichen Varianzbeitrags.

Für eine entsprechende Poweranalyse ist deshalb grundsätzlich R^2 increase passend.

Nur wenn das gesamte bisherige Modell gegen ein Modell ohne Prädiktoren geprüft wird, kann R^2 deviation from zero verwendet werden.

Type III Sums of Squares

Bei Type III Sums of Squares wird ein Effekt unter Berücksichtigung der anderen relevanten Modellbestandteile geprüft.

Die Frage lautet beispielsweise:

Erklärt die Arbeitsbelastung einen eigenständigen Anteil der Zielvariable, wenn die übrigen Prädiktoren im Modell berücksichtigt werden?

Auch dies ist eine Frage nach einem partiellen oder zusätzlichen Beitrag eines bestimmten Prädiktors beziehungsweise Modellterms.

Für die Poweranalyse eines solchen einzelnen Effekts oder Blocks ist daher normalerweise ebenfalls R^2 increase passend.

Der entscheidende Unterschied

Die Auswahl in G*Power sollte nicht nach folgender vereinfachter Regel erfolgen:

  • Type I bedeutet immer R^2 deviation from zero.
  • Type III bedeutet immer R^2 increase.

Diese Regel wäre falsch.

Stattdessen gilt:

Das gesamte Modell wird geprüft

Forschungsfrage:

Erklären alle Prädiktoren gemeinsam Varianz?

Auswahl:

Linear multiple regression: Fixed model, R^2 deviation from zero

Ein einzelner Prädiktor oder Block wird geprüft

Forschungsfrage:

Erklärt dieser Prädiktor oder Block zusätzliche Varianz über die anderen Prädiktoren hinaus?

Auswahl:

Linear multiple regression: Fixed model, R^2 increase

Diese Auswahl gilt unabhängig davon, ob die spätere Analyse als sequenzieller Modellvergleich oder als partieller Test beschrieben wird.

Sind Type III Sums of Squares immer der Standard?

Type III Sums of Squares sind nicht in allen Statistikprogrammen automatisch der Standard.

Beispielsweise verwenden manche ANOVA-Funktionen Type III als Voreinstellung.

Andere Funktionen berechnen standardmäßig sequenzielle Type-I-Quadratsummen.

Deshalb sollte bei der Auswertung immer geprüft und dokumentiert werden:

  • welches Statistikprogramm verwendet wurde,
  • welche Analysefunktion verwendet wurde,
  • welche Art von Quadratsummen berechnet wurde,
  • in welcher Reihenfolge die Modellterme eingegeben wurden,
  • welche konkrete Hypothese mit dem Test geprüft wird.

Für die Poweranalyse ist letztlich nicht der Name der Quadratsumme entscheidend, sondern die Frage:

Wird das gesamte Modell geprüft oder wird der zusätzliche beziehungsweise partielle Beitrag eines bestimmten Modellbestandteils geprüft?

Auswahl bei einer ANOVA

Bei einer ANOVA hängt die richtige Auswahl in G*Power vom Untersuchungsdesign ab.

Es muss unter anderem geklärt werden:

  • Wie viele Faktoren gibt es?
  • Wie viele Stufen haben die Faktoren?
  • Werden unterschiedliche Personen in den Bedingungen untersucht?
  • Werden dieselben Personen mehrfach gemessen?
  • Interessiert ein Haupteffekt oder eine Interaktion?

Ein Faktor mit unabhängigen Gruppen

Beispiel:

Drei verschiedene Lernmethoden werden miteinander verglichen.

Mögliche Auswahl:

  • Test family: F tests
  • Statistical test: ANOVA: Fixed effects, omnibus, one-way

Mehrfaktorielles Design mit unabhängigen Gruppen

Beispiel:

Es werden die Lernmethode, die Prüfungsform und die Interaktion zwischen beiden Faktoren untersucht.

Mögliche Auswahl:

  • Test family: F tests
  • Statistical test: ANOVA: Fixed effects, special, main effects and interactions

Hier muss festgelegt werden, welcher Haupteffekt oder welche Interaktion für die Stichprobenplanung relevant ist.

Messwiederholungsdesign

Beispiel:

Das Stresserleben wird bei denselben Personen vor und nach einer Intervention gemessen.

Mögliche Auswahl:

ANOVA: Repeated measures, within factors

Gruppen und wiederholte Messungen

Beispiel:

Eine Interventionsgruppe und eine Kontrollgruppe werden vor und nach einer Intervention untersucht.

Wenn geprüft werden soll, ob sich die Gruppen unterschiedlich über die Zeit verändern, steht eine Interaktion im Mittelpunkt.

Mögliche Auswahl:

ANOVA: Repeated measures, within-between interaction

Die genaue Auswahl muss immer zum geplanten Design und zur zentralen Hypothese passen.

Auswertbare und zu rekrutierende Stichprobe

G*Power berechnet normalerweise die Zahl der Fälle, die für die statistische Analyse tatsächlich zur Verfügung stehen müssen.

In der Praxis können jedoch Daten verloren gehen.

Mögliche Gründe sind:

  • Personen brechen die Untersuchung ab,
  • Fragebögen werden nicht vollständig ausgefüllt,
  • Messungen sind technisch fehlerhaft,
  • Personen erfüllen nachträglich Ausschlusskriterien,
  • bei mehreren Messzeitpunkten fehlen einzelne Messungen.

Deshalb sollte die tatsächlich zu rekrutierende Stichprobe größer sein als die von G*Power berechnete auswertbare Stichprobe.

Beispiel:

G*Power berechnet:

Benötigte auswertbare Stichprobe = 100

Es wird mit einem Ausfall von 10 Prozent gerechnet.

Die benötigte Rekrutierungszahl kann folgendermaßen berechnet werden:

100 / 0.90 = 111.11

Es sollten daher mindestens 112 Personen rekrutiert werden.

Wichtig ist, nicht einfach 10 Prozent von 100 hinzuzurechnen.

100 + 10 Prozent = 110

Wenn von diesen 110 Personen 10 Prozent ausfallen, bleiben nur 99 Personen übrig.

Deshalb sollte durch den erwarteten verbleibenden Anteil geteilt werden.

Was muss in einer wissenschaftlichen Arbeit berichtet werden?

Die Stichprobengrößenberechnung muss so dokumentiert werden, dass sie nachvollzogen werden kann.

Berichtet werden sollten mindestens:

  • die verwendete Software,
  • die Art der Poweranalyse,
  • der ausgewählte statistische Test,
  • die angenommene Effektgröße,
  • die Begründung der Effektgröße,
  • das Signifikanzniveau,
  • die gewünschte Power,
  • die Zahl der Faktoren oder Prädiktoren,
  • gegebenenfalls die Zahl der getesteten Prädiktoren,
  • die berechnete Mindeststichprobe,
  • die erwartete Ausfallquote,
  • die geplante Rekrutierungszahl.

Beispiel für die Berichterstattung einer Regression

Die erforderliche Stichprobengröße wurde vor Beginn der Datenerhebung mit G*Power bestimmt. Es wurde eine A-priori-Poweranalyse für eine multiple lineare Regression mit Prüfung des zusätzlichen Varianzbeitrags durchgeführt (Linear multiple regression: Fixed model, R^2 increase). Bei einem Signifikanzniveau von alpha = .05, einer angestrebten Power von .80, einer angenommenen Effektgröße von f^2 = [Wert], einem getesteten Prädiktor und insgesamt drei Prädiktoren ergab sich eine erforderliche Stichprobengröße von N = [Wert]. Unter Berücksichtigung einer erwarteten Ausfallquote von [Wert] Prozent wurde eine Rekrutierung von mindestens N = [Wert] Personen angestrebt.

Zusätzlich muss die Herkunft der Effektgröße erklärt werden.

Beispiel:

Die angenommene Effektgröße wurde aus [Quelle] abgeleitet. Die Untersuchung wurde herangezogen, weil Population, Operationalisierung, Messmethoden und statistisches Modell mit der geplanten Untersuchung vergleichbar waren.

Beispiel für die Berichterstattung einer ANOVA

Die erforderliche Stichprobengröße wurde vor Beginn der Datenerhebung mit G*Power bestimmt. Es wurde eine A-priori-Poweranalyse für [genaue ANOVA-Bezeichnung] durchgeführt. Bei einem Signifikanzniveau von alpha = .05, einer angestrebten Power von .80 und einer angenommenen Effektgröße von f = [Wert] ergab sich eine erforderliche Gesamtstichprobe von N = [Wert]. Unter Berücksichtigung einer erwarteten Ausfallquote von [Wert] Prozent wurde eine Rekrutierung von mindestens N = [Wert] Personen angestrebt.

Auch hier muss erklärt werden, wie die angenommene Effektgröße bestimmt wurde.

Häufige Fehler

Eine beliebige Stichprobengröße festlegen

Aussagen wie:

Für eine Bachelorarbeit benötigt man immer mindestens 100 Personen.

sind keine ausreichende Begründung.

Die benötigte Stichprobe hängt von Forschungsfrage, Effektgröße, Test, Design und gewünschter Power ab.

Automatisch einen mittleren Effekt auswählen

Ein mittlerer Effekt sollte nicht allein deshalb verwendet werden, weil G*Power oder ein Lehrbuch einen entsprechenden Richtwert nennt.

Die angenommene Effektgröße sollte möglichst theoretisch, praktisch oder anhand früherer Forschung begründet werden.

Den größten Effekt aus der Literatur verwenden

Der größte gefundene Effekt führt zu einer kleinen berechneten Stichprobe.

Ist dieser Effekt überschätzt oder nicht auf die eigene Untersuchung übertragbar, reicht die Stichprobe möglicherweise nicht aus.

Die Poweranalyse nicht an der zentralen Hypothese ausrichten

Wenn die zentrale Hypothese eine Interaktion betrifft, muss die Stichprobe für die Interaktion geplant werden.

Es reicht nicht aus, die Stichprobe nur für einen Haupteffekt zu berechnen.

Interaktionen können kleiner sein und deshalb größere Stichproben erfordern.

Alle erhobenen Variablen als Prädiktoren zählen

Es zählen nur die Prädiktorparameter, die tatsächlich im geplanten Regressionsmodell enthalten sind.

Die Zielvariable und die Konstante werden nicht mitgezählt.

R^2 deviation from zero und R^2 increase verwechseln

R^2 deviation from zero prüft das gesamte Modell.

R^2 increase prüft den zusätzlichen Beitrag bestimmter Prädiktoren oder Prädiktorenblöcke.

Die Auswahl wird durch die Forschungsfrage bestimmt und nicht allein durch die Bezeichnung Type I oder Type III Sums of Squares.

Die von G*Power berechnete Zahl direkt als Rekrutierungszahl verwenden

G*Power berechnet normalerweise die benötigte Zahl auswertbarer Fälle.

Erwartete Ausfälle müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Nachträglich nur die beobachtete Power berechnen

Die Stichprobengrößenberechnung sollte grundsätzlich vor der Datenerhebung erfolgen.

Nach Abschluss der Untersuchung sind insbesondere folgende Angaben wichtig:

  • die beobachtete Effektgröße,
  • das Konfidenzintervall,
  • die tatsächliche Stichprobengröße,
  • die Unsicherheit der Schätzung.

Eine nachträglich aus dem beobachteten Effekt berechnete Power liefert normalerweise kaum zusätzliche Informationen.

Checkliste für die Stichprobenplanung

Vor Beginn der Datenerhebung sollte geprüft werden:

  • [ ] Die zentrale Forschungsfrage ist eindeutig formuliert.
  • [ ] Die zentralen Hypothesen sind festgelegt.
  • [ ] Der spätere statistische Test ist bekannt.
  • [ ] Die Poweranalyse passt zum statistischen Test.
  • [ ] Die Effektgröße wurde begründet.
  • [ ] Die Effektgröße liegt in der für G*Power benötigten Form vor.
  • [ ] Das Signifikanzniveau wurde festgelegt.
  • [ ] Die gewünschte Power wurde festgelegt.
  • [ ] Die Zahl der Prädiktoren oder Faktoren wurde korrekt bestimmt.
  • [ ] Bei R^2 increase wurden getestete und gesamte Prädiktoren unterschieden.
  • [ ] Die Poweranalyse wurde für alle zentralen Hypothesen geprüft.
  • [ ] Die größte benötigte Stichprobe wurde als Mindestumfang gewählt.
  • [ ] Eine begründete Ausfallquote wurde berücksichtigt.
  • [ ] Alle Entscheidungen werden in der wissenschaftlichen Arbeit dokumentiert.

Zusammenfassend

Eine Stichprobengrößenberechnung beantwortet die Frage, wie viele auswertbare Beobachtungen für die geplante Analyse benötigt werden.

Die Poweranalyse muss zu der Analyse passen, mit der die Forschungsfrage später tatsächlich untersucht wird.

Je kleiner der Effekt ist, den man zuverlässig erkennen möchte, desto größer muss normalerweise die Stichprobe sein.

Die erwartete Effektgröße sollte aus Theorie, praktischer Relevanz, Metaanalysen oder möglichst vergleichbaren früheren Studien abgeleitet werden.

Vergleichbare Messmethoden sind wichtig, weil die Messqualität die beobachtbare Effektgröße beeinflussen kann.

Bei mehreren zentralen Hypothesen wird der Stichprobenbedarf für jede Analyse geprüft. Die größte benötigte Stichprobe bestimmt den Mindestumfang.

R^2 deviation from zero prüft den gemeinsamen Erklärungsbeitrag des gesamten Regressionsmodells.

R^2 increase prüft den zusätzlichen Erklärungsbeitrag eines Prädiktors oder eines Prädiktorenblocks.

Total number of predictors bezeichnet alle Prädiktorparameter im vollständigen Regressionsmodell.

Number of tested predictors bezeichnet die Prädiktorparameter, die beim konkreten Modellvergleich neu hinzukommen.

Tested bedeutet im konkreten statistischen Modell geprüft und nicht empirisch gemessen.

Effektgrößen und Konfidenzintervalle sollten berichtet werden, damit die Stärke und Unsicherheit der Ergebnisse beurteilt und zukünftige Untersuchungen besser geplant werden können.