Wissenschaftliche Arbeiten können unterschiedlich aufgebaut sein. Es gibt nicht immer genau eine richtige Struktur. Der Aufbau hängt unter anderem davon ab, ob du eine Hausarbeit, ein Exposé, eine empirische Abschlussarbeit, eine theoretische Arbeit oder einen wissenschaftlichen Artikel schreibst.
Für Hausarbeiten gibt es häufig formale Hochschulvorgaben. Diese Vorgaben geben eine hilfreiche Orientierung, besonders wenn man noch wenig Erfahrung mit wissenschaftlichem Schreiben hat. Sie legen zum Beispiel fest, welche Bestandteile eine Arbeit enthalten soll, wie die Arbeit formal aufgebaut sein kann oder welche Verzeichnisse benötigt werden.
Gleichzeitig ist wichtig zu verstehen: Formale Vorgaben ersetzen nicht die wissenschaftliche Logik der Arbeit.
In der Psychologie und in vielen empirischen Wissenschaften orientieren sich wissenschaftliche Arbeiten häufig stärker an einer APA-orientierten Struktur. APA steht für die American Psychological Association. Der APA-Standard ist in der Psychologie sehr verbreitet und prägt nicht nur Zitierregeln, sondern auch die typische Struktur empirischer Arbeiten.
Eine solche wissenschaftliche Struktur folgt meistens dieser Grundlogik:
Diese Struktur ist deshalb so sinnvoll, weil sie sich an der Beantwortung der Forschungsfrage orientiert:
Das unterscheidet sich teilweise von klassischen Hausarbeitsvorgaben, bei denen häufig stärker zwischen „Einleitung“, „Literature Review“ und „Research Gap“ getrennt wird. Diese Trennung kann hilfreich sein, führt aber manchmal dazu, dass Themen mehrfach wiederholt werden oder die eigentliche Argumentationslinie verloren geht.
Besonders die trichterförmige Herleitung ist innerhalb solcher formaler Vorgaben manchmal schwieriger umzusetzen. Der Trichter bedeutet: Du beginnst mit einem breiten Thema und wirst Schritt für Schritt spezifischer, bis sich am Ende logisch deine Forschungsfrage ergibt. Wenn die Arbeit dagegen zu stark nach formalen Überschriften geschrieben wird, besteht die Gefahr, dass die Forschungsfrage eher am Ende „angehängt“ wird, statt wirklich aus dem Forschungsstand entwickelt zu werden.
Für die Abschlussarbeit kannst du dich daher gerne an der wissenschaftlichen, APA-orientierten Grundlogik orientieren. Das bedeutet nicht, dass formale Hochschulvorgaben unwichtig sind. Es bedeutet nur: Die formalen Vorgaben sollten so umgesetzt werden, dass die wissenschaftliche Argumentation erhalten bleibt.
Bei mir kannst du nach APA oder IU Formatvorgaben schreiben. Wenn du von der gewählten Vorgabe abweichst, solltest du das transparent machen. Dafür eignet sich eine kurze Seite mit „Bemerkungen zur Arbeit“. Dort kannst du zum Beispiel angeben, dass bestimmte Formatierungen, APA-orientierte Strukturen, gendergerechte Sprache oder andere Besonderheiten mit mir abgesprochen wurden.
Der wichtigste Punkt ist: Eine wissenschaftliche Arbeit sollte nicht nur formal korrekt sein. Sie sollte vor allem so aufgebaut sein, dass Leserinnen und Leser nachvollziehen können, wie die Forschungsfrage entsteht, wie sie untersucht wird, was die Ergebnisse zeigen und was daraus folgt.
Im folgenden Stellen wir vor allem eine wissenschaftliche Struktur vor, die in beide dieser Formate eingearbeitet werden kann. Sie folgt stärker der Logik psychologischer und empirischer wissenschaftlicher Arbeiten als einer klassischen Hausarbeitsstruktur.
Auch wenn die Hochschule für Hausarbeiten bestimmte Überschriften wie „Einleitung“, „Literature Review“ und „Research Gap“ vorgibt, solltest du die Herleitung trotzdem trichterförmig denken. Das bedeutet: Die einzelnen Abschnitte sollten nicht lose nebeneinanderstehen, sondern eine gemeinsame Argumentationslinie bilden.
Die formale Überschrift ist also weniger wichtig als die innere Logik des Textes. Entscheidend ist, dass deine Leserinnen und Leser verstehen, warum sich aus dem bisherigen Forschungsstand genau deine Forschungsfrage ergibt.
Eine wissenschaftliche Arbeit hat ein zentrales Ziel: Sie soll eine Forschungsfrage beantworten.
Alle Teile der Arbeit tragen zu diesem Ziel bei:
Eine gute Arbeit ist deshalb nicht einfach eine Sammlung einzelner Kapitel. Sie ist eine zusammenhängende Argumentation.
Eine wissenschaftliche Arbeit kann zum Beispiel aus folgenden Teilen bestehen:
Nicht jede Arbeit braucht alle diese Bestandteile. Diese Struktur ist vor allem für analytische quantitative Arbeiten geeignet.
Eine Seite mit Bemerkungen zur Arbeit kann sinnvoll sein, wenn bestimmte Dinge für die Bewertung oder Einordnung der Arbeit wichtig sind.
Dort können zum Beispiel stehen:
Der Zweck dieser Seite ist Transparenz. Beim Lesen und Bewerten der Arbeit soll nicht unklar bleiben, warum bestimmte formale oder sprachliche Entscheidungen getroffen wurden.
Die Herleitung ist einer der wichtigsten Teile deiner Arbeit. Er beginnt nach dem Abstract und geht bis zum Methodenteil. Die Herleitung erklärt, welches Wissen es bereits gibt und welche Forschungslücke noch besteht und teilt so mit worum es in deiner Arbeit geht. Um dem mehr Nachdruck zu verleihen wird auch der Mehrwert der durch die Beantwortung der Frage entsteht häufig in der Einleitung angedeutet.
Die Herleitung führt also von einem breiteren Thema zu deiner konkreten Forschungsfrage.
Am Ende der Herleitung sollten Leserinnen und Leser verstehen:
Die Herleitung soll alle Leser auf denselben Wissensstand bringen so, dass sie die Forschungsfrage und deren Relevanz von dem dargelegten Wissen verstehen. Fehlen hier Inhalte oder sind die falsch dargestellt, so hat dies negative Auswirkungen auf alle folgenden Teile der Arbeit.
Der Methodenteil beschreibt, wie du vorgegangen bist. Er soll die Studie nachvollziehbar und im besten Fall replizierbar machen.
Replizierbar bedeutet: Eine andere Person sollte anhand deiner Beschreibung verstehen können, was sie tun müsste, um deine Untersuchung möglichst genau nachzustellen.
Der Methodenteil ist keine zweite Theorieabhandlung. Hier geht es nicht darum, noch einmal inhaltlich zu erklären, warum dein Thema wichtig ist. Es geht darum, dein Vorgehen möglichst präzise zu beschreiben.
Typische Inhalte sind:
Der Ergebnisteil ist das Herzstück. Hier wird deine Forschungsfrage mit Fakten beantwortet. Hier sollen die Ergebnisse als Fakten dargestellt werden. Hier geht es um die Daten und Befunde, deren statistische Intepretation (d.h. ist der Effekt signifikant). Wichtig im Ergebnisteil findet keine inhaltliche Interpretation statt.
Du zeigst also:
Der Ergebnisteil sollte möglichst sachlich bleiben. Die ausführliche Interpretation der Ergebnisse (z.B. was bedeutet das für die Theorie?) gehört in die Diskussion.
In der Diskussion interpretierst du die Ergebnisse. Hier gibt du den Ergebnissen Bedeutung. Du erklärst, was deine Befunde im theoretischen, empirischen und praktischen Kontext bedeuten.
Du führst die Ergebnisse also zurück in den Forschungskontext, aus dem deine Forschungsfrage entstanden ist.
Typische Fragen der Diskussion sind:
Die Diskussion darf stärker interpretierend sein als der Ergebnisteil. Sie muss aber weiterhin nah an den eigenen Daten bleiben.
Am Ende kann eine kurze Take-home Message stehen. Sie fasst die wichtigste Erkenntnis der Arbeit zusammen.
Sie sollte nicht einfach die ganze Arbeit wiederholen, sondern die zentrale Aussage deutlich machen:
Was wissen wir nach dieser Arbeit, was vorher weniger klar war?