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Hinweise zum selbst erstellten Exposé – Deutsche Version
Diese Seite richtet sich an Studierende, die eigenständig ein Exposé verfasst haben und sich nun mit diesem für eine Abschlussarbeit bewerben möchten. Bitte lies die folgenden Hinweise sorgfältig und reflektiere deine bisherige Arbeit.
Ich fordere kein Exposé als Voraussetzung ein. Die Forschungsfrage entwickeln wir gemeinsam in den Lab-Meetings. Nachdem du die hier beschriebenen Schritte bearbeitet hast, kannst du mich kontaktieren. Wenn dein Thema passt, kannst du deine Idee im Lab-Meeting vorstellen und Feedback erhalten.
Was du wahrscheinclich schon gemacht hast, ist dass du ein Themenfeld für dich gefunden hast. Oft ist dies eine Thema mit persönlicher Motivation („Mesearch“ – super!). Es ist jedoch wahrscheinllich, dass das Thema noch nicht ausreichend wissenschaftlich verankert haben. Typische Anzeichen:
- Breites Thema, viele Teilfragen, keine fokussierte eine Forschungsfrage (RQ)
- Medienberichte oder allgemeine Statistiken statt peer-reviewter Quellen
- Kein klarer Übergang von „Was ist bekannt?“ → „Was fehlt?“ → „Was teste ich?“
Um besser zu verstehen, worum es bei den nächsten Schritten geht, stell dir deine Abschlussarbeit wie den Kauf eines sehr teuren Produkts vor. Du würdest es nicht allein auf Grundlage von Werbung und Hörensagen kaufen. Du würdest Fachbewertungen vergleichen, die technischen Daten prüfen und eine fundierte Entscheidung treffen. Genauso solltest du in deiner Forschung vorgehen: Bevor du eine Fragestellung und eine Methode „kaufst“, informiere dich darüber, was Expert*innen (die wissenschaftliche Literatur) bereits dazu wissen.
Wo du gerade bist (Ausgangslage)
- Du hast ein bedeutsames Thema und einige nicht wissenschaftliche Quellen, z.B. Statistiken und Medienberichte..
- Es gibt mehrere Ziele/Hypothesen und oft schon eine Lieblingsmethode (z. B. „Umfrage“), aber die konzeptionelle Landkarte ist noch locker.
Wo du hin musst (Zielzustand)
- Eine klare, machbare Forschungsfrage (RQ)
- Ein kurzes Argument, das die RQ in die bestehende Fachliteratur einbettet
- Eine Methode, die die RQ direkt beantwortet (innerhalb deiner Ressourcen)
- Ein Plan für Analyse und Interpretation, passend zu RQ und Methode
Die Brücke: sechs Schritte
1) Problemraum klären (Konzepte & Zuschnitt)
Ziel: Übersetze deine Idee in Kernkonstrukte (z. B. wahrgenommene Radikalisierung, Zustandsangst, Studienabsicht).
Wie: Schreibe für jeden Schlüsselbegriff 2–3 Sätze mit wissenschaftlicher Definition (aus Lehrbüchern/Reviews/Originalarbeiten).
Check: Was du nicht definierst, kannst du nicht messen.
Arbeitsauftrag: Liste deine Konstrukte auf und formuliere je eine Ein-Satz-Definition mit Quelle.
2) Forschungslandschaft kartieren (Was ist bekannt?)
Ziel: Fachliteratur lesen – nicht nur Medien.
Wie: Suche nach Übersichtsarbeiten, Meta-Analysen und aktuellen peer-reviewten Studien zu deinen Konstrukten und deren Zusammenhängen. Dokumentiere:
- Gesichertes Wissen (replizierte Effekte, Effektgrößen, Randbedingungen)
- Unklares/umstrittenes (Lücken, inkonsistente Befunde)
- Deinen Kontext/Population (z. B. internationale Studierende in Deutschland)
Ergebnis: Eine 1–2-seitige Synthese (keine lose Liste), die erzählt: Thema → Bekanntes → Unklares → warum dein Kontext zählt.
Arbeitsauftrag: Erstelle eine Evidence Map (Stichpunkte) mit Zitaten: Befund, wer/wann/wo, Messinstrument, Limitationen. Wenn du in Deiner Literaturrecheche feststellst, dass die Konstrukte aus Schritt 1 nicht optimal gewählt wurde, passe diese gegebenenfalls an.
Wenn Du Schritt 2 das fertig hast, kontaktiere mich und lass uns die Ergebnisse im Labmeeting besprechen.
3) Auf eine Forschungsfrage fokussieren
Ziel: Übersetze die Lücke in eine präzise, prüfbare RQ.
Muster-RQ:
Bei [Population]: Wie hängt [Prädiktor/Konstrukt A] mit [Outcome/Konstrukt B] unter [Kontext/Moderator, optional] zusammen?
Schärfungsbeispiel:
- Zu breit: „Wie wirkt Radikalisierung psychologisch auf internationale Studierende?“
- Fokussiert: „Hängt bei internationalen Studierenden in Deutschland wahrgenommene gesellschaftliche Radikalisierung mit Zustandsangst zusammen – kontrolliert für Aufenthaltsdauer?“
Arbeitsauftrag: Formuliere drei RQ-Kandidaten, streiche zwei – behalte die machbarste.
4) Methode passgenau ausrichten
Ziel: Wähle Maße und Design, die die RQ direkt beantworten.
Checkliste
- Konstrukte → validierte Skalen (Namen/Quellen angeben)
- Design → Querschnitt/Experiment/Längsschnitt (begründet)
- Stichprobe → Einschlusskriterien, Rekrutierung, Ziel-N (kurze Power-Notiz)
- Ethik/Datenschutz → Einwilligung, Anonymität, sensible Items
- Analyseplan → Welcher Test/welches Modell beantwortet die RQ? (z. B. Korrelation/Regression/ANOVA)
Arbeitsauftrag: Erstelle eine Methoden-Karte (1 Seite): Messinstrumente (mit Referenzen), Stichprobe & Rekrutierung, Ablauf, (Vor-)Registrierung optional, Primäranalyse.
5) Das Argument schreiben (knapp & überzeugend)
Ziel: Stringenter Fluss: Bekanntes → Lücke → RQ → Method-Fit.
Struktur (≈ ½–1 Seite):
- Zwei Sätze: Was weiß das Feld (mit Zitaten)
- Zwei Sätze: Was ist in deinem Kontext offen
- Ein Satz: deine eine RQ
- Zwei–drei Sätze: Warum Design und Maße genau passen
Arbeitsauftrag: Entwirf dieses Argument; wenn etwas vage klingt, zurück zu Schritt 2.
6) Realistischen Zeitplan festlegen
Ziel: Abgabe im Semesterrahmen.
Meilensteine (Beispiel)
- Woche 1–2: Literaturkarte + Definitionen
- Woche 3: RQ + Methoden-Karte final
- Woche 4–5: Ethik/Freigaben + Pilotierung
- Woche 6–8: Datenerhebung
- Woche 9–10: Analyse
- Woche 11–12: Schreiben & Überarbeiten
Arbeitsauftrag: Fülle die Meilensteine mit konkreten Kalenderdaten.
Do’s und Don’ts
Do
- Peer-reviewte Quellen für Wirkungs-/Mechanismus-Behauptungen nutzen.
- Eine RQ festlegen; Nebenfragen als explorativ kennzeichnen.
- Primäres Outcome und Primäranalyse vorab festlegen.
Don’t
- Motivation nicht auf Schlagzeilen stützen.
- Keine Methoden vorschlagen, die die RQ nicht testen.
- Keine Daten erheben, die du nicht für die Primärfrage auswertest.
Ein-Seiten-Vorlagen (zum Kopieren)
A) Research-Question-Karte
- Population:
- Prädiktor/Manipulation:
- Outcome(s):
- Moderator/Kontrollen (falls zutreffend):
- Primärhypothese (optional):
- Analyse zur Beantwortung der RQ:
- Machbarkeitsnotizen (Zeit, Zugang, Ethik):
B) Methoden-Karte (Kurz)
- Design:
- Messinstrumente (validiert, mit Quellen):
- Stichprobe & N (Power-Notiz):
- Ablauf (Stichpunkte):
- Datenschutz & Ethik:
- Primäranalyse:
Sanfter Realitätscheck (mit dem Beispiel-Exposé)
- Stärken: Hohe Motivation, gesellschaftlich relevantes Thema, klare Zielpopulation (internationale Studierende). (Quelle: eigenes Exposé)
- Fehlt noch: Stützt sich stark auf allgemeine/Medien-Statistiken; mehrere Ziele ohne präzise RQ; Maße/Analyse noch nicht eng an eine RQ gekoppelt.
Nächster Schritt: Schritte 2–5 oben, um eine RQ zu formulieren und die Methode anzupassen.
Guidelines for a self-developed exposé – English Version
This page is for students who have written an exposé on their own and now want to apply with it for a thesis project. Please read carefully and reflect on your work.
I do not require an exposé as a prerequisite. We develop the research question together in the lab meetings. After you complete the steps below, you can contact me. If your topic is a match, you can present your idea in the lab meeting and receive feedback.
What you have probably already done is identify a topic area for yourself. Often, this is a topic with a personal motivation (“mesearch” – great!). However, it is likely that the topic is not yet sufficiently grounded in scientific research. Typical signs include:
- A broad topic, many sub-questions, but no single focused research question (RQ)
- Reliance on media reports or general statistics instead of peer-reviewed sources
- No clear link from “what is known” → “what is missing” → “what I will test”
To better understand what the next steps are about think of your thesis like buying a very expensive item. You wouldn’t purchase it based on ads and hearsay. You’d compare expert reviews, check specs, and make a clear choice. Do the same for your research: before you “buy” a question and a method, study what experts (the scientific literature) already know.
Where you are now (current state)
- You have a topic you care about and some non-scientific sources (e.g. general statistics and news reports).
- You may have several aims/hypotheses and a preferred method (often “a survey”), but the conceptual map isn’t tight yet.
Where you need to get (desired state)
- One sharp, feasible research question (RQ)
- A brief argument embedding your RQ in the existing literature
- A method that directly answers the RQ within your constraints
- A plan for analysis and interpretation matched to the RQ and method
The bridge: a six-step workflow
1) Clarify the problem space (concepts & scope)
Goal: Translate your idea into core constructs (e.g., perceived radicalization, state anxiety, study intention).
How: Write 2–3 sentences defining each key concept using scholarly sources.
Checkpoint: If you can’t define it, you can’t measure it.
Your task: List your constructs and write a one-sentence scholarly definition (with source) for each.
2) Map the research landscape (what is known)
Goal: Read scientific literature, not just media.
How: Look for reviews, meta-analyses, and recent peer-reviewed studies on your constructs and their relationships. Track:
- What is established (replicated effects, effect sizes, boundary conditions)
- What is debated/unknown (gaps, inconsistent findings)
- Your context/population (e.g., international students in Germany)
Deliverable: A 1–2-page synthesis (not a list) that tells the story: topic → what’s established → what’s unclear → why your context matters.
Your task: Create a bullet-point evidence map with citations: finding, who/when/where, measure, limitations. If the literature review indicates that your constructs are not optimally chosen in step 1, adjust the constructs of step 1 accordingly.
If you are done with step 2, please contact me and you may want to present your findings in the lab meeting.
3) Focus to one research question
Goal: Turn the gap into a precise, answerable RQ.
Good RQ template:
Among [population], how is [predictor/construct A] associated with [outcome/construct B] under [context/moderator, optional]?
Sharpening example:
- Too broad: “What is the psychological impact of radicalization on international students?”
- Focused: “Among international students in Germany, is perceived societal radicalization associated with state anxiety, adjusting for time in country?”
Your task: Draft three candidate RQs, then drop two—keep the most feasible.
4) Align methods to the RQ
Goal: Choose measures and a design that directly answer your RQ.
Checklist
- Constructs → validated scales (name & cite them)
- Design → cross-sectional/experiment/longitudinal (justify)
- Sampling → inclusion criteria, recruitment, target N (brief power note)
- Ethics/data protection → consent, anonymity, sensitive items
- Analysis plan → which test/model answers the RQ? (e.g., correlation/regression/ANOVA)
Your task: Draft a one-page Method Spec: measures (with references), sample & recruitment, procedure, (pre)registration optional, primary analysis.
5) Write the argument (tight & convincing)
Goal: Clear flow: Known → Gap → RQ → Method fit.
Structure (≈ ½–1 page):
- Two sentences: what the field already knows (with citations)
- Two sentences: what is uncertain in your context
- One sentence: your single RQ
- Two–three sentences: why your design and measures are the right tools
Your task: Draft this argument; if anything feels hand-wavy, return to Step 2.
6) Make a feasible timeline
Goal: Deliver within semester limits.
Milestones (example)
- Weeks 1–2: Literature map + definitions
- Week 3: Finalize RQ + Method Spec
- Weeks 4–5: Ethics/approvals + piloting
- Weeks 6–8: Data collection
- Weeks 9–10: Analysis
- Weeks 11–12: Writing & revisions
Your task: Fill in actual calendar dates.
Do’s and Don’ts
Do
- Use peer-reviewed sources for claims about effects/mechanisms.
- Keep one RQ; mark side questions as exploratory.
- Pre-specify your primary outcome and primary analysis.
Don’t
- Don’t base your motivation on headlines alone.
- Don’t choose methods that don’t test your RQ.
- Don’t collect data you won’t analyze for the primary RQ.
One-page templates (copy-ready)
A) Research Question Card
- Population:
- Predictor/Manipulation:
- Outcome(s):
- Moderator/Control(s) (if any):
- Primary hypothesis (optional):
- Analysis to answer the RQ:
- Feasibility notes (time, access, ethics):
B) Method Spec (Short)
- Design:
- Measures (validated, with references):
- Sample & N (power note):
- Procedure (bullets):
- Data protection & ethics:
- Primary analysis:
Gentle reality check (using the exposé example)
- Strengths: Strong motivation, socially relevant topic, clear population (international students). (Source: own exposé)
- Missing: Heavy reliance on general/media statistics; multiple aims without a precise RQ; measures/analysis not yet tightly linked to one RQ.
Next task: Steps 2–5 above to craft one RQ and align the method.