Literaturrecherche

Generelle Informationen

Wissensschaftssprache ist meist Englisch. Aktuelle und wichtige Ergebnisse werden daher z.T. nur in Englisch publiziert. Ihr müsst Euch daher daran gewöhnen Artikel auch in Englisch zu lesen. Der erste Artikel dauert wahrscheinlich sehr lange zu lesen. Dies wird aber mit der Zeit besser. Bitte nicht verzagen beim Lesen englischer Artikel. Es ist ein langsamer aber wichtiter Lernprozess.

Es gibt unterschiedliche Qualitäten von Literatur. Nicht jede Publikation ist gleich. Entscheident ist, wie gut die Aussagen belegt sind. Die beste Art Aussagen zu belegen ist durch das Aufzeigen von Fakten. Diese Art von Arbeiten wird auch empirsches Arbeiten genannt. Daten und Fakten können hier sehr verschiedene Dinge sein: genaue numerische Messungen, Ratings aus Fragebögen, aber auch subjektive Erlebnisberichte von Zeitzeugen. Wenn eine Studie die Daten oder Fakten selbst erhoben hat (also die Daten aus erster Hand stammen), sprechen wir von Primärliteratur. Wenn jemand anders selbst keine Daten erhoben hat, sondern z.B. Daten von anderen zusammenfasst und berichtet, dann handelt es sich um Sekundärliteratur, weil der Nachweis für die Richtigkeit der Aussagen (also die Emprie) aus zweiter Hand stammen. Diese Beispiele implizieren, dass der Begriff Primärliteratur hinsichltlich von Daten verstanden werden kann, was nicht so ist. Primärliteratur bezeichnet einfach nur, ob etwas gesagtes aus erster Hand stammt. Damit trifft der Begriff auch auf die Nennung von Ideen oder Theorien zu. Der erste Artikel, der eine neue Theorie vorgeschlagen hat, ist die Primärliteratur. Ein Artikel, der sich auf diese Theorie bezieht und diese nochmal in anderen Worten erklärt, ist Sekundärliteratur.
Beispiele für Primärartikel: Ein Artikel in dem die AutorInnen Daten zur Aufenthaltszeit von Patienten auf einer Intensivstation selbst erheben oder aus anderen Quellen neu zusammenstellen, ist eine Primärliteratur oder Primärartikel. Genauso ist ein Papier, welches zum ersten mal eine bestimmte Theorie vorschlägt (ohne jedoch Daten dafür selbst erhoben zu haben) auch eine Primärliteratur. Ein Artikel der andere Artikel zusammenfasst

Es gibt zudem Peer-reviewt und nicht peer-reviewte Literatur. Peer reviewt meint, dass ein Artikel von akademischen Fachleuten aus dem entsprechenden Bereich auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft werden. Dieser Prozess ist meist Teil des Publikationsprozesses: der/die WissenschaftlerIn schickt ein Manuskript zu einem Journal, wo ein Editor dieses in Empfang nimmt und zwei oder mehrere Fachleute aus dem entsprechenden Gebiet kontaktiert und bittet das Manuskript kritisch zu prüfen. Diese Fachleute (auch Reviewer genannt) können zusätzliche Analysen, Klärungen, weitere Ausarbeitungen (z.B. weitere Untersuchungen) und Änderungen von den AutorInnen anfordern. Auf diese Anfragen müssen die AutorInnen zumindest eingehen oder auch im Manuskript umsetzen. Das überarbeitete Manuskript wird nochmal von den Reviewern geprüft. Der Editor entscheidet dann oder nach ein paar mehr von diesem Prüfungsschritten darüber, ob das Manuskript angenommen wird oder abgeleht wird. Im Falle einer Annahme wird dann das Manuskript publiziert.

Damit können wir uns die Qualitätsunterschiede von Journalen anschauen:

Qualitätsstufen von Literatur

Evidenzlevel Art der Quelle
1. Meinungen (online, Zeitungen, persönliches) (oft nicht empirisch fundiert)
2. Alltagswissentschaftliche Beiträge (Bild der Wissenschaft, Wikipedia etc.) (kein Peer Review)
3. (psychologische) Konferenzbeiträge (oft einfacher Review), Whitepaper
4. Sekundärliteratur: inhaltsbasierte Zusammenfassungen und systematische Literaturanalysen (Bücher oder Reviews, die Peer-reviewed sind)
5. Metaanalysen: datenbasierte Zusammenfassungen
5. Peer-reviewte Primärliteratur: Evidenzbasierte quantitative/qualitative Forschung.

Je höher das Evidenzlevel ist, desto gesicherter ist die Erkenntnis und wertvoller ist die Quelle

Wie kann ich sicherstellen, dass eine Artikel gut ist?

Ein Artikel ist gut, wenn er einer kritischen wissenschaftlichen Prüfung standhält. Daher kann man folgendes machen, um eine gute Qualität sicher zu stellen.

  1. Artikel aus Peer reivewte Journalen nutzen Peer reviewte Journale stellen sicher, dass ein Mindestmaß an Qualität bei der Forschungsarbeit eingehalten wurde. Woher weiß ich, dass ein Journal Peer-reviewt ist?
    1. Wenn der Artikel bei Pubmed (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/) erscheint.
    2. Das Journal ist bei ScimagoJR (https://www.scimagojr.com) zu finden.
    3. Man schaut manuell auf der Journal Webseite nach (z.B. unter dem Link Submit Article)
  2. Das wichtigste ist, dass Du den Artikel selber kritisch liest und Dir ein eigenes Bild.

Impact Factor and und Anzahl der Zitationen als Qualitätsfaktoren

Der Impact Factor eines Journales misst, wie oft die Artikel dieses Journals im durchschnitt zitiert werden. Je höher die Nummer, desto mehr Sichtbarkeit haben die Autoren, was der Verbreitung der Forschungsergebnisse hilft. Die Anzahl der Zitationen misst, das Interesse an einer Artikel indem gemessen wird, wie oft der Artikel zitiert wurde. Der Grund für die geringe Zitation kann sein, dass es eine sehr spezifirsche Forschung ist oder das die Qualität der Forschung gering ist.

Daher sind Impact Factor und Zitationsanzahl keine verlässlichen Qualitätsfaktoren. Es stimmt zwar das schlechte Forschung wahrscheinlich wenig zitiert und in keinen guten Journalen publiziert wird. Jedoch trifft eine geringe Zitation und ein geringer Impakt Faktor auch für gute Forschung zu. Der Grund dafür ist, dass gut aber sehr spezielle Arbeit innerhalb eines Feldes, meist nur für eine kleine Community interessant ist und daher in speziellen Journalen, die nur von wenigen Personen gelesen wird, publiziert wird. Der Impact Factor einen solchen Journals und/oder die Anzahl der Zitationen ist daher gering.

Schlagwörter

Schlagwörter bezeichnen die fachlichen Ausdrücke, die in der wissenschaft für ein bestimmtes Phänomen benutzt werden. Die fachlichen Ausdrücke weichen oft von den Alltagsbegriffen zu ähnlichen Phänomen ab. Beispiel: Gefühl wird oft in der wissenschaft als Emotion beschrieben. Emotion ist relativ gut (wenn auch verschieden) definiert, während Gefühl keine oder keine eigentliche wissenschaftliche Definition hat. Um effektiv eine Literaturrecherche zu betreiben, muss man die richtigen Schlagwörter verwenden.

Wie findet man die richtigen Schlagwörter?
Wenn man noch kein ExpertIn in dem Gebiet ist, sollte man sich Literatur lesen, die eine generelle Einführung zu dem Thema geben. Beispiele hierfür sind:

  • Lehrbücher
  • Originalartikel (z.B. von wichtigen Theorien)
  • Bei 'Übersetzungen' von Fachliteratur in Alltagssprache (z.B. bei ScienceDaily)
  • Durch Anschauen von google scholar Ergebnissen, die mit 'nicht-Experten' Schlagworten gesucht wurden (eine Sache des Glücks)

Für deutschsprachige kommt erschwerend hinzu, dass die Wissensschaftssprache Englisch ist. Um effektiv Literatur zu suchen ist es daher erforderlich, die englischen Entsprechungen der deutschen Fachbegriffe zu finden. Dies kann durch eine Suche in einer der oben genannten Quellen aus dem englischen Sprachraum geschehen.

Wo kann man nach Literatur suchen?

Wie vermeide ich Plagiate?

Warum ist es wichtig und was sind Plagiate?
Die Währung der Wirtschaft ist Geld. Nimmt man Geld von jemand anders und gibt es als sein eigenes aus, so handelt es sich um Diebstahl.
Die Währung der Wissenschaft sind Ideen. Über Ideen bauen sich WissenschaftlerInnen einen Ruf und Namen auf. Nimmt man Ideen von jemand anders und gibt es als seine eigenen aus, so handelt es sich um Diebstahl.
Es ist daher wichtig in der Wissenschaft, die Quelle von Informationen und Ideen anzugeben. Dies Vorgehen entspricht wissenschaftlicher Ethik (es gibt keine oder nur wenige Gesetzte, da die Wissenschaft frei ist (in Deutschland nach dem Grundgesetz). WissenschaftlerInnen sollten sich stattdessen freiwillig an wissenschaftliche Ethik, um Mißbrauch vorzubeugen). Dazu gehört auch ihr, die ihr eine wissenschaftliche Arbeit mit Eurer Haus- der Abschlussarbeit schreibt. Dadurch, dass jede:r WissenschaftlerIn von diesem Vorgehen Informiert wird (und ihr hiermit auch), sollte es keine 'unabsichtlichen' Diebstahl von Ideen geben.
Kurz gesagt ist ein Plagiat, ein wissenschaftilcher Diebstahl: Information und/oder Ideen werden von einer anderen Person genommen ohne das dies erwähnt oder kenntlich gemacht wird. Hier ist also das weglassen von Information, ein wichtiger Verstoß gegen wissenschaftliche Ethik.

Wie wird geprüft, ob es Plagiate gibt?
Die erste und wichtigste Prüfung liegt immer bei dem:der AutorIn, da wir als wissenschaftler angehalten sind, wissenschaftlicher Ethik zu folgen.
Du magst jetzt verunsichert sein, dass Du vielleicht doch unabsichtlich etwas genauso so formulierst wie jemand anders und dies Dir als Plagiat angerechnet wird. Klar das ist möglich. Jedoch kannst Du Dir sicher sein: Wenn Du wirklich Deine Texte selbst verfasst oder durch richtiges Angeben der Orginalquelle verfasst hast, brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen, dass Dir ein Plagiat vorgeworfen wird, auch wenn Du zufällig dieselbe Wortwahl wie jemand anders gewählt hast. Hast Du abgeschrieben....na dann solltest Du besser an Deiner wissenschaftlichen Ethik zweifeln und dies berichtigen bevor Du einreichst.

Die zweite Prüfung findet durch den Gutachter mittels einer Software statt. Diese Software ist gut (besser als die kostenlosen Verfahren, die ihr online findet) und es sei daher abgeraten, "es dochmal zu probieren". Da die Software an vielen Universitäten eingesetzt wird, kann sie auch dort suchen, wo die anderen Software's es nicht können: in Arbeiten von anderen Studierenden.

Wie vermeide ich Plagiate?
Faktoren, die dazu führen, dass Plagiate entstehen sind folgende:

  • Zeitdruck (wichtigster Faktor): Informationen zu lesen, verstehen und in eigene Worte zu fassen braucht Zeit. Arbeiten unter Zeitdruck führt oft dazu, dass man eine Quelle liest und die Information dieser Quelle versucht schnell zu Papier zu bringen. Dabei ist leider die Orginalformulierung leider noch gut in Eurem Gedächtnis vorhanden: beim Niederschreiben, werdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Formulierung verwenden, die dem Original sehr ähnlich ist.
    Lösung: Lest und versucht zu verstehen, was die Information bedeutet. Schreibt erst ein paar Stunden nach dem Lesen auf (wenn die Memory-Traces zu der Information verschwunden sind). Ihr werdet wahrscheinlich feststellen, dass wahrscheinlich Euch noch Information fehlt, was auch darauf hindeutet, dass ihr das Konzept noch nicht vollständig verstanden habt. Lest mehr und lasst wieder Zeit vergehen. Dann versucht Euren Aufschrieb nochmals. Neben der deutlich geringen Wahrscheinlichkeit etwas wortgleich hinzuschreiben und damit ein Plagiat zu begehen, hat es den weiteren Vorteil, dass ihr die Inhalte gleich für das Kolloquium mitgelernt habt.

  • Copy & Paste/ Kopieren und Einfügen: Macht dies niemals, es sei denn ihr wollt wirklich ein wörtliches Zitat in Euren Text einbringen. Dann setzt den Text aber auch sofort in Anführungszeichen. Es widerspricht der ethischen Arbeitsweise, Texte zu kopieren und dann so umzuformulieren, dass sie wie von einem selber erscheinen.
    Lösung: Kein Copy & Paster ausser bei Zitaten.

  • Keine Verfügbarkeit der Originalquelle: Oft liest man in Sekundärquellen (Internetartikel oder Bücher) über Informationen zu denen man selbst nicht direkt Zugriff hat (z.B. die Bibliothek hat das Journal nicht im Angebot). Hier darf man nicht die Sekundärquelle als die Primärquelle ausgeben.
    Lösung: gebt die Primärquelle an unter dem Verweis, dass dies aus einer Sekundärquelle entnommen wurde indem zu 'zitiert nach' (bei Zitaten) oder 'vgl.' (beim Referieren) schreibst. Im Literaturverzeichnis müssen beide Quellen aufgeführt werden.

  • Fehlen einer Quelle im Literaturverzeichnis oder falsche Quellenangabe.
    Lösung: Verwendet einen Literaturmanager (Zotero, Citavi, oder Mendeley). Beim automatischen importieren der Literatur prüft noch einmal gegen, ob alle Information zur Literatur richtig importiert wurden.

Wo finde ich Literaturmanager?