Kolloquium
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Kolloquium?
- Was heißt „Kolloquium unter Vorbehalt“?
- Wie läuft ein Kolloquium ab?
- Was ist eine wissenschaftliche Präsentation?
Was ist ein Kolloquium?
Das Kolloquium ist eine wissenschaftliche mündliche Diskussion Ihrer Abschlussarbeit. Es geht darum, deine wissenschaftlichen Fähigkeiten anhand deiner Abschlussarbeit zu prüfen. Dazu gehört die Prüfung von u. a.:
- Wissen (z. B. nach bestimmten Theorien zu fragen),
- Methodenkenntnissen (z. B. Methoden zu begründen oder abzuwägen),
- wissenschaftlichem Denken (z. B. abzuschätzen, wie die eigenen Ergebnisse den Forschungskontext voranbringen, zukünftige Fragestellungen zu diskutieren),
- kritischem Denken (z. B. Theorien und Annahmen zu hinterfragen; Was-wäre-wenn-Fragen zu beantworten, Abwägungen vorzunehmen) und
- anwendungsorientiertem Denken (z. B. wie man die Ergebnisse verwerten kann).
Wichtig: Es geht im Kolloquium nicht darum, zu beweisen, dass die Arbeit in allen Aspekten richtig und optimal ist (keine wissenschaftliche Arbeit ist perfekt), sondern um die wissenschaftlich-kritische Reflexion der eigenen Arbeit sowie darum, sie mit ihren Stärken und Schwächen zu kennen und sicher darzustellen.
Das bedeutet: Im Kolloquium geht es weniger um eine Verteidigung als um eine fundierte wissenschaftliche Diskussion.
Was heißt „Kolloquium unter Vorbehalt“?
In vielen (Teams-)Einladungen zum Kolloquium wird „unter Vorbehalt“ stehen. Lass dich davon nicht beunruhigen und bereite dich ganz normal auf dein Kolloquium vor.
„Unter Vorbehalt“ bedeutet, dass die Gutachter:innen der IU sich die Möglichkeit vorbehalten, ein Kolloquium abzusagen, falls große Lücken in der wissenschaftlichen Arbeit vorliegen (z. B. große Teile plagiiert wurden). In diesem Fall wird die schriftliche Arbeit als „nicht bestanden“ bewertet, und damit entfällt die Notwendigkeit einer mündlichen Prüfung (Kolloquium).
Da die Gutachter:innen versuchen, euch mit einer schnellen Prüfung entgegenzukommen, werden die Studierenden oftmals vor einer eingehenden gründlichen Prüfung der schriftlichen Arbeit eingeladen. Aus diesem Grund werden die Einladungen „unter Vorbehalt“ ausgesprochen. Der Status der Einladungen wird aus Zeitgründen nur selten bis zum Termin aktualisiert.
Im Falle eines „nicht bestanden“ der schriftlichen Arbeit werde ich so früh wie möglich vor dem Kolloquiumstermin individuell auf dich zukommen – was sehr selten vorkommt.
Ich hoffe, ich konnte dir darlegen, dass normalerweise kein Grund zur Sorge bei dem Zusatz „unter Vorbehalt“ besteht.
Wie läuft ein Kolloquium ab?
Die Kolloquien finden virtuell statt, meist über Microsoft Teams. Folgende Personen nehmen am Kolloquium teil:
- Student:in
- Erstgutachter:in
- Zweitgutachter:in
Das Kolloquium besteht aus drei Teilen (in folgender Reihenfolge):
1. Allgemeiner Teil
Das Kolloquium beginnt mit ein paar organisatorischen Punkten, nämlich der Prüfung der Identität und gesundheitlichen Kolloquiumsfähigkeit.
Bitte halte zur Prüfung der Identität deinen Ausweis bereit.
Du wirst anschließend gefragt, ob du dich in guter gesundheitlicher Verfassung befindest und frei vom Einfluss von Drogen und Alkohol bist. Wenn das zutrifft und du dies bestätigst, kann es losgehen.
2. Präsentation der Arbeit (ca. 15 Minuten)
Bitte halte dich unbedingt an die Zeitvorgabe. Überschreitungen werden häufig als Zeichen unzureichender Vorbereitung gewertet.
Hier ein Vorschlag, wie du deine Folien strukturieren kannst.
So sind viele wissenschaftliche Vorträge (z. B. auf Konferenzen) aufgebaut:
Einleitung (6–8 Minuten)
- Ziel: roten Faden und Alltagsrelevanz herstellen.
- Baue folgende Punkte logisch und verständlich auf:
- Was wissen wir bereits zum Thema?
- Was ist der aktuelle Forschungsstand (Ergebnisse, Theorien)?
- Was ist die Forschungslücke?
- Was ist deine Forschungsfrage?
- Welcher Mehrwert ergibt sich (theoretisch, praktisch, methodisch)?
- Kurzer Überblick über dein methodisches Vorgehen.
Methoden (3–4 Minuten)
- Nur die wichtigsten Punkte darstellen:
- Anzahl der Teilnehmenden (inkl. Geschlechterverteilung).
- Kurzbeschreibung der Methode und der eingesetzten Instrumente.
- Relevante Analyseinformationen (z. B. ANOVA-Faktoren oder qualitative Vorgehensweise).
Ergebnisse (ca. 5 Minuten)
- Stelle nur die zentralen Ergebnisse dar, die deine Forschungsfrage beantworten.
- Verwende visuelle Darstellungen (Balken-, Linien-, oder Scatterplots).
- Beschrifte Achsen klar und gib an, was Fehlerbalken bedeuten.
- Berichte statistische Kennwerte gemäß APA-Formatierung, z. B.
Haupteffekt Alter: F(1,180)=23.43, η²=0.56, p<0.001.
Wichtige Hinweise:
- Bei signifikanten Interaktionen dürfen Haupteffekte genannt, aber nicht interpretiert werden.
- Nulleffekte (nicht signifikante Ergebnisse) dürfen nicht interpretiert werden.
- Interpretiere Ergebnisse nur im Bezug auf deine Forschungsfrage.
- Stelle sicher, dass deine Ergebnisse deine Forschungsfrage tatsächlich beantworten.
Qualitative Ergebnisse
- Wichtige Originalzitate oder Stimmungsbilder präsentieren.
- Zwischenschritte (z. B. Kategoriensystem) aufzeigen oder im Anhang bereithalten.
- Zeigen, dass Ergebnisse die Forschungsfrage beantworten.
Diskussion (2–3 Minuten)
Hier geht es um die Bedeutung deiner Ergebnisse im größeren Kontext.
- Kurze Wiederholung der Fragestellung und Hauptergebnisse.
- Vergleich mit bisherigen Forschungsergebnissen.
- Kritische methodische Reflexion:
- Welche Einschränkungen haben deine Methoden?
- Welche Auswirkungen hat das auf die Interpretation?
- Hinweis: Repräsentativität ist bei Abschlussarbeiten meist kein Ziel.
(Siehe: Weird People Study – Henrich et al.)
- Diskussion der praktischen Implikationen:
Was bedeuten die Ergebnisse für den Alltag oder für die Praxis?
Nur auf Basis der eigenen Daten argumentieren.
Quellenverzeichnis
- Ein vollständiges Quellenverzeichnis am Ende nicht vergessen.
3. Fragerunde (15–30 Minuten)
Im Anschluss folgt eine Diskussion mit beiden Gutachter:innen.
Diese stellen abwechselnd Fragen zu:
- Theorie,
- Methodik,
- Interpretation,
- Anwendung und
- Reflexion der Arbeit.
Tipp:
Lautes, wissenschaftliches Denken oder kritisches Abwägen innerhalb einer Antwort ist eine valide wissenschaftliche Vorgehensweise – keine Unsicherheit!
Was ist eine wissenschaftliche Präsentation?
Eine wissenschaftliche Präsentation soll die Thesis kurz, prägnant und wissenschaftlich korrekt darstellen.
Sie ist objektiv, kritisch und logisch aufgebaut.
Relevante Inhalte:
- Relevanz und Bedeutung des Themas aufzeigen
(z. B. Nutzen für Alltag, Beruf oder Forschung)
- Aktuellen Wissensstand darstellen (Theorien & Studien, mit Quellenangaben)
- Forschungslücke identifizieren und Forschungsfrage nennen
- Methodisches Vorgehen beschreiben
- Zentrale Ergebnisse zeigen (grafisch, statistisch, APA-konform)
- Ergebnisse interpretieren: Welche Antwort liefern sie auf die Forschungsfrage?
- Diskussion:
- Theoretische Einordnung
- Methodenkritik
- Praktische Implikationen
- Mögliche zukünftige Forschungsfragen
- Literaturverzeichnis angeben
Tipps zur Struktur und Schwerpunktsetzung
Da die Präsentation zeitlich begrenzt ist, ist Priorisierung entscheidend:
- Beschränke dich auf die zentralen Punkte, die deine Forschungsfrage am besten beantworten.
- Vermeide Nebenthemen.
- Halte die Darstellung kohärent, verständlich, kritisch und logisch.
Beispiel:
Wenn mehrere Analysen gerechnet wurden, stelle nur die wichtigste dar, die deine Forschungsfrage am besten beantwortet.
Erwähne, dass weitere Analysen diese Ergebnisse stützen, und füge sie ggf. in den Anhang deiner Präsentation ein, falls Nachfragen kommen.
Quellenhinweise
Vergiss nicht die Quellen auf den Folien zu erwähnen. Stelle sicher ein Quellenverzeichnis am Ende der Präsentation zu haben und dies zumindest kurz zu zeigen.
Genauere Informationen zur Gestaltung einer wissenschaftlichen Präsentation findest du oben im Kapitel Wie läuft ein Kolloquium ab.